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Interview: „Ich will meine Begeisterung für die Natur weitergeben“
Donnerstag, den 30. Mai 2019 um 12:01 Uhr

mike20190513_114805_hoch_ausklMichael Kalcher arbeitet schon lange als Betreuer für FREIRAUM. Er ist diplomierter Sozialpädagoge sowie ausgebildeter Spiel- und Erlebnispädagoge. Hier berichtet er von seinen Erfahrungen bei Natur-und Abenteuerwochen, die er besonders gern und häufig betreut.

Warum machst du gerne gerade Natur- und Abenteuerwochen?

Michael Kalcher: Ich bin selber immer schon gerne viel in der Natur gewesen, bin begeistert von dem, was man draußen entdecken kann. Dieses Staunen will ich weitergeben. Natur- und Abenteuerwochen sind dafür sehr gut geeignet, denn hier geht es nicht um geballte Wissensvermittlung, sondern um das Hinsehen und Staunen. Dieser Zugang ist mir persönlich sehr wichtig. Meiner

Erfahrung nach passt das genau für diese Altersgruppe (3. – 6. Schulstufe).

Welche Beziehung haben die Kinder, die du betreust, zur Natur?

Ich erlebe immer wieder eine große Scheu bei Kindern vor allem was da kreucht und fleucht. Besonders bei Stadtkindern ist das sehr ausgeprägt. Da kommen zu Beginn oft Aussagen wie „da setze ich mich aber nicht hin“, und „das greife ich bestimmt nicht an“ oder „das ist ja eklig“. Manche kommen auch ausgestattet mit Desinfektionstüchern.

Wie gehst du damit um? Lässt sich das auflösen?

Wir machen dann Übungen, um den Kindern diese Scheu zu nehmen und sie langsam an Natur heranzuführen. Da geht es ums Ausprobieren, ums Experimentieren, ums Hinschauen – alles immer in spielerischer Form.  Eine klassische Einstiegsübung ist einfach Sachen in der Natur sammeln. Ich sage den Kindern: Sammelt etwas Rundes, etwas Rauhes, etwas Glitzerndes, etwas, das nicht in den Wald gehört, etwas das ihr hässlich findet und etwas, das euch gefällt. Diese Sammlungen schauen wir dann gemeinsam an und reden darüber. Da löst sich meist schon viel von der Abneigung oder Abscheu.

Welche Aktionen gibt es sonst noch?

Oft bauen wir etwas – eine Ameisenstadt oder eine Käferstadt, also eine kleine Stadt aus Materialien, die auf der Wiese oder im Wald einfach so herumliegen, wie Rinde, Steinchen, Moos, Blätter und Blüten. Etwas zu bauen kommt sehr gut an, das mögen fast alle Kinder. Oder wir suchen Wassertierchen im Bach, das führt dann sehr schnell auch zum Spielen und „Herumgatschen“. Unser Programm sieht Bewegungsspiele vor, Naturerfahrung und Übungen zur Wahrnehmung, kreatives Gestalten mit Naturmaterialien, aber auch Lagerfeuer mit Steckerlbrot grillen oder Fackelwanderungen.

Und der Erfolg?

Die Kinder gehen nach so einer Projektwoche schon anders weg, als sie hingekommen sind. Sie haben einen neuen Zugang zur Natur entwickelt, Staunen gelernt und sind neugierig geworden auf mehr.