Erlebnispädagogik – Lernen mit Kopf, Herz und Hand

Erlebnispädagogische Methoden setzen wir bei unseren Projekttagen zur Entwicklung von Teams und zur Stärkung der Sozialkompetenz der SchülerInnen ein. Erlebnispädagogik ermöglicht ganzheitliches Lernen mit Kopf, Herz und Hand und wirkt durch den Transfer in den (Schul-)Alltag nachhaltig. Übungen und Bewegung in der Natur bilden dafür den Rahmen.

 

 

Unter Erlebnispädagogik verstehen wir eine handlungsorientierte Methode, bei der durch Gemeinschaft und Erlebnisse in naturnahen Räumen neue Erfahrungen gemacht werden, die einem pädagogischen Ziel dienen. Dabei setzen wir auf die prägende Wirkung, die Erlebnisse haben und ergänzen sie durch altersgerechte Reflexionen (Aktion und Reflexion).

Was heißt das für eine Projektwoche? Im Rahmen von erlebnispädagogischen Aktivitäten bearbeiten wir Themen, die für die Klasse oder für Einzelne wichtig sind. Sie sind mit bestimmten Zielen verknüpft und stehen im Mittelpunkt. Die LehrerInnen nennen schon bei der Anfrage nach einem Angebot das Thema, das die Klasse bearbeiten will. Ort und Quartier werden dazu passend ausgewählt.

 

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Ziel- und prozessorientiertes Arbeiten: Unsere TrainerInnen setzen sich schon vor der Projektwoche mit Ihnen in Verbindung, um gemeinsam die Ziele dafür zu vereinbaren und den Ablauf zu besprechen. Es gibt einen Zeitrahmen und einen ungefähren Plan für den Programmablauf. Die konkreten Übungen und Methoden, die jeden Tag zum Einsatz kommen, werden vom TrainerInnen-Team ausgewählt und auf die Bedürfnisse und Absichten der Gruppe, das Setting und auch auf das Wetter abgestimmt. Unsere TrainerInnen arbeiten ziel- und prozessorientiert. Das heißt, sie beherrschen die Kunst, aufmerksam aktuelle Vorgänge und Stimmungen in der Klasse zu beobachten und die konkreten Übungen darauf abstimmen. Ihr Methodenkoffer dafür ist gut gefüllt. Als roter Faden dienen die vereinbarten Ziele.

Verbindung zum Alltag: Die SchülerInnen interpretieren ihre Erlebnisse und bringen sie mit ihrem täglichen Leben in Verbindung. So können die neuen Erfahrungen gut in den (Schul-)Alltag mitgenommen werden. Die TrainerInnen unterstützen diesen Transfer durch geeignete Methoden. Am letzten Tag werden gemeinsam Handlungsvereinbarungen für die Zeit danach formuliert. Bei Bedarf können die TrainerInnen vier bis acht Wochen später zu einem nochmaligen Transfergespräch an die Schule kommen.

Welche Methoden werden eingesetzt? Um die vereinbarten Ziele zu erreichen, steht eine große Vielfalt an erlebnispädagogischen Methoden zur Verfügung: Wahrnehmungs-, Vertrauens- und Orientierungsübungen, Problemlösungsaufgaben, niedrige Seilelemente, Teamseilgarten, Teamkochen bzw. Selbstversorgung, Expedition. Bei Bedarf werden zusätzlich Rollen- und Sportspiele sowie Abenteuer- und Kreativaktionen eingesetzt. 

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Beispiel für prozessorientiertes Arbeiten anhand der Übung "Moorpfad"

Ausgangssituation: 6. Klasse AHS; in der Vorbesprechung wurde das Klassenklima als im Prinzip gut bezeichnet, Konkurrenz zwischen einzelnen Grüppchen ist jedoch immer wieder Thema und führt zu Konflikten. Zitat: „Manchmal wird da mehr gegeneinander getan, als miteinander“. Gemeinsam wird das Ziel für die Projekttage erarbeitet: „Wir wollen lernen, an einem Strang zu ziehen, wenn es darauf ankommt!“

Der Moorpfad Bei dieser Kooperationsaufgabe steht die Gruppe vor der Herausforderung, gemeinsam eine Strecke ohne Bodenkontakt zu überqueren. Sie hat dafür begrenzte Hilfsmittel zur Verfügung: Einzelne Bretter und Platten können ausgelegt werden, allerdings müssen diese laut Regel immer in Kontakt mit dem Körper bleiben, sonst werden sie von den TrainerInnen entfernt.

Gemeinsam ans Ziel Helena schlägt vor, in Kleingruppen zu starten, damit sind alle einverstanden, die Umsetzung beginnt. Anna, Mehmed, Leo und Sophie beginnen mit dem Auslegen der Platten und bald passiert es, dass eine Platte regelwidrig verwendet und aus dem Spiel genommen wird. Höhnisches Rufen ertönt aus der Kleingruppe von Pauli, Matthias und Azra. Zwei weitere Kleingruppen haben sich schon auf den Weg gemacht und auch die Gruppe von Pauli & Co ist unterwegs. Alle haben mittlerweile wegen Regelverstößen Platten verloren, Geschwindigkeit scheint wichtiger als Genauigkeit. Bald kommen die Kleingruppen zum Stillstand, weil nicht mehr genug Platten zur Fortbewegung übrig sind. Nur die Gruppe von Pauli & Co ist noch unterwegs und kommt bis knapp vor das Ziel. Es entsteht eine Diskussion, ob die Übung neu gestartet werden soll (diese Option haben die TrainerInnen vorher genannt). Die Mehrheit ist dafür und überstimmt Pauli & Co, die aufgebracht und wütend schimpfen, sie hätten es nämlich geschafft. Laut Spielregeln müssen aber ALLE ins Ziel kommen. Insbesondere Anna aus der ersten Gruppe macht sich für eine zweite Runde stark und erhält dabei Unterstützung – vor allem von den Mädchen! Es kommt zum Neustart. Alle gehen nun sehr viel sorgsamer und vorsichtiger ans Werk und tatsächlich schaffen es alle binnen zehn Minuten, die Strecke zu überwinden, ohne viele Platten zu verlieren und ohne dass eine Person den Boden berührt. Applaus und Schulterklopfen folgen, aber auch Sticheleien, die sich auf den Zwist zwischen Pauli & Co und der Kleingruppe rund um Anna beziehen. Die TrainerInnen lassen die Gruppe ein wenig blödeln, während sie überlegen, worauf sie den Schwerpunkt bei der Reflexionsfrage setzen wollen. Sie werden sich auf EINE Frage beschränken, damit die Konzentrationsspanne nicht überfordert wird. Eine verbale Reflexion mit freien Fragen in der Großgruppe erscheint ihnen sinnvoll.

Aktion und Reflexion Es ergeben sich nun einige mögliche Richtungen, in die die Reflexionsfrage zielen könnte: 1. Die TrainerInnen könnten mit einem Stimmungsbild abfragen, wie stark die Konkurrenz zwischen den Kleingruppen spürbar war, woran man sie erkennt und mit welchen Empfindungen sie verbunden ist. 2. Als zweite Möglichkeit könnte die Beziehung zwischen den Geschlechtern thematisiert werden: Von wem kamen besonders deutliche, konstruktive oder aggressive Äußerungen? Eher von Mädchen oder von Burschen? Wer kann sich durchsetzen? Welches Verhalten wirkt sich wie aus? Entsprechend dem zu Beginn der Projektwoche vereinbarten Ziel, entscheiden sich die TrainerInnen für eine Frage zum Thema Konkurrenz mit visueller Unterstützung durch eine spezielle Reflexionsmethode: Sie lassen persönliche Gegenstände auf einer Skala auslegen, die zwischen den Polen „sehr viel Konkurrenz wahrgenommen“ bis „keine Konkurrenz wahrgenommen“ aufgespannt ist. Danach sind alle eingeladen, die Position ihres Gegenstandes zu kommentieren, besonders jene, die Extrempositionen eingenommen haben.

Roter Faden und Vertiefung Für die nächste Herausforderung, die am Nachmittag nach einem ausgelassenen Laufspiel geplant ist, wollen die TrainerInnen den roten Faden weiterspinnen und entscheiden sich für eine weitere Übung, die nur erfolgreich abgeschlossen werden kann, wenn die gesamte Gruppe das Ziel erreicht. Drei kleine Teams werden durch eine Zufallsauswahl zusammengestellt. Die TrainerInnen bieten damit zur Vertiefung der Erfahrung vom Vormittag erneut ein Übungsfeld an, in dem die Vor- und Nachteile von Konkurrenz und Zusammenarbeit erlebbar werden.

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